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Ibanez Artist Custom Agent No 2405 Bj. 1976

IBANEZ FlyerMein erstes Projekt 1982/83, Restauration einer Ibanez-Artist (Agent) Limited Models.

Ausgangszustand:
1982 erwarb ich von einem Freund für 2000 Mark der DDR eine Gitarre und 3 Effektgeräte der Fa. Ibanez.
Die Bezeichnung der Gitarre laut Hersteller:
Ibanez Limited Models - The Professional Guitars
Ibanez Artist Custom No 2405 Bj. 1976 German Model

Allerdings hatte die von mir erworbene Gitarre das sehr seltene Finish "tobacco sunburst honney" (nicht wie auf dem Ibanez-Prospekt-Bild in brown-sunburst) und mit dem älteren Laucy-Logo auf der Kopfplatte.
Hier der Link zur Serie auf Ibanez-Wiki:
http://www.ibanezwiki.com/display/CATALOG/1976+-+Ibanez+Limited+Models+-+The+Professional+Guitars

Dieses Modell war 1976 die teuerste Gitarre (892,-DM) die in Deutschland von Ibanez verkauft wurde.

IBANEZ ArtistDie Gitarre befand sich in einem bedauernswerten Zustand.
Die vergoldete Hardware wie Steg, Saitenhalter und Humbuckerabdeckungen waren mit Flugrost und Nickeloxid überzogen, von der Vergoldung war fast nichts mehr zu erkennen.
Beim Steg fehlten teilweise die Schiebeböckchen mit Feder und Einstellschrauben.
Der Body war von Lackabplatzern ("Dings und Dongs") übersäht.
In das Griffbrett hatten sich tiefe Griffmulden eingearbeitet und die Bundstäbchen waren nicht mehr spielbar.
An der Kopfplatte war die originale Schnecke abgebrochen, die sich aber dann doch noch wiederfand.
Aber auch die Potis hatten ihre Maggen, Knärzen und Knacken - bis zu kompletten Aussetzern bei allen Reglern.
Das orginale Schlagbrett (pickguard) fehlte ganz und gar.

Vorbereitungen:

  • Als Erstes, komplette Demomtage aller Teile der Hardware
  • Entrosten aller Metallteile
  • Auseinandernehmen der Potentiometer, danach Reinigung, fetten der Achsen und wieder Zusammenbauen.
  • Der Toggle-Switsch war nicht mehr zu reparieren - hier musste also ein neuer besorgt werden.

Reparaturen am Griffbrett:
Da das Griffbrett so sehr in Mitleidenschaft gezogen war, suchte ich als Erstes nach einem geeigneten Gitarrenbauer, der die Neusilber-Bünde ersetzen konnte.
Die Anfrage bei mehreren Gitarrenbauern blieb erfolglos. Keiner wollte sich mit dem alten Instrument abgeben. Manche scheuten sich vor dem Hals-Binding und den Intarsien oder es fehlte Ihnen einfach das passende Material.
Visitenkarte Mathias HeerwagenErst durch Zufall, weil ich eine Gitarre aus einer Anzeige kaufen wollte, erfuhr ich von dem Instrumentenverkäufer von einem jungen Gitarrenbaumeister mit Namen Mathias Heerwagen aus Gössitz im Raum Saalfeld.
Also packte ich das Instrument ein, fuhr zu ihn hin und legte ihm das "Häufchen Unglück" auf den Tisch.
Sein Blick beim betrachten des Gitarrenhalses verriet mir, dass es auch für Ihn eine schwere Geburt werden würde.
Nach langen Hin und Her versprach er mir, im Winter, wenn es die Zeit erlaubt, sich über die Ibanez zu machen.
Seine Begründung damals; - die schöne Optik der Intarsien und die solide Verarbeitung des gesamten Instrumentes lohnen einer Neubundierung.
Irgendwann im Februar 1983 kam dann per Post die Nachricht, die Gitarre ist fertig. Ich machte mich sofort auf den Weg nach Gössitz um das Instrument abzuholen. Also ich war so happy, als ich den wie neu srahlenden Hals mit den super neuen Bünden betrachtete.

Wenn ich mir das Instrument anschaue und spiele, muss ich mich heute noch bei ihm für diese Reparatur bedanken. Seit diesem Tage an sind wir immer in Kontakt geblieben und ich glaube, man kann heutzutage bei uns  schon fast von "Freundschaft" reden.
Hier der Link zur Internetseite Mathias Heerwagen, wenn mal jemand Hilfe braucht: http://heerwagen-gitarrenbau.npage.de/

Rekonstruktion der Hardware:
IBANEZ Artist HardwareNach der Entrostung der Hardware, musste ich feststellen, dass die Korrossion sehr unschöne tiefe Narben hinterlassen hatte.
Dies bewog mich dazu, die vorher vergoldeten Teile neu verchromen zu lassen.
Also gab ich die einzelnen Teile in eine Galvanisierfirma (Verchromerei). Dort teilte man mir mit, dass der alte Chrom erst enfernt werden muss.
Nach ca. 5 Tagen bekam ich dann die Nachricht von der Firma, "die Teile sind weg". Ich fragte nach, "wie weg, gestohlen oder was?"
"Nein" - die Antwort "beim entchromen haben sich die Teile aufgelöst"
Man hatte nicht bedacht, dass die Hardware aus einer Zinklegierung bestand und das Säurebad hatte die Teile einfach zerfressen.
So nahm ich meine Teile oder das was noch davon übrig war mit nach Hause.
Da meine Beziehungen in den "Westen" nich so gut waren, musste jetzt auch noch der Saitenhalter und der Steg rekonstruiert werden.
Ich nahm die Maße von den zerfressenen Teilen und die Bolzenabstände von der Gitarre ab.
Als Material für die neuen Teile sollte Silberstahl und Messing genutzt und dann verchromt werden.
So feilte ich aus ein paar Silberstahlbrocken die Konturen für Steg und Saitenhalter.
Die Aufnahmen für die verstellbaren Böckchen, Führungen, Langsschlitze, und Bolzenlöcher im Steg  wurden dann auf einer CNC-Maschine gefräst. Danach schleifen und polieren der erstellten Neuteile.
Die Exenterringe für die horizontale Stegeinstellung habe ich dann auf einer Drehmaschine gefertigt.
Die Böckchen für die Seiteneinstellung der Mensur (Bundreinheit) wurden aus einem extra hierfür angefertigten T-Profil aus Messing gesägt, die Löcher für die Einstellschrauben gebohrt, das Gewinde in 3mm (die originalen Schrauben hatten Zoll-Gewinde) geschnitten und dann auf die Endform gefeilt.
Danach ging alles zum Verchromen - gabs sogar kostenlos für die vorher vermurksten Teile.

Restauration Body, Hals und Kopfplatte:
IBANEZ Artist  Mandoline KopfAls erstes musst herausgefunden werden, was für ein Lack für den Body vewendet worden war.
Auf Grund der tiefen Abplatzungen, hätte man annehmen müssen, dass original Epoxidharz-Lack verwendet wurde.
Ein Test mit Verdünnung ergab jedoch, dass es sich um mehrschichtigen Nitrolack handelt.
Da die Abplatzungen heller waren als die Lackierung, färbte ich Nitrolack mit Beize ein, bis der Farbton für die jeweilige Stelle der Sunburstlackierung passte.
Nach einer gewissen Wartezeit für die Eindickung des Lackes, füllte ich die Platzer mit den so zubereiteten Lack auf.
Jetzt noch Body schleifen und polieren - fertig.
Da das Schlagbrett komplett fehlte und mir die originalen für Gitarren mit Gibson-Bauform (mit Haltewinkel) nich gefallen haben, entschloss ich mich, ein eigenes  Pickguard zu bauen.
Ich wählte ein 6mm starkes Plexiglas aus, sägte hieraus die Form, bohrte die Befestigungslöcher und polierte es auf Hochglanz.
Damit das Pickguard gut aufliegt, gab ich ihm durch Anwärmen die gewölbte Bodyform und schraubte es direkt auf die Decke.

Die abgebrochene Schnecke an der Kopfplatte wurde mit Warmleim angeleimt und die Lackschäden ausgebessert.

Modifikation an der Elektrik:
Im Instrument waren 2 Humbucker von Ibanez montiert. Der Klang der beiden IBANEZ Artist PickupsTonabnehmer war sehr Gibson typisch, also warme weiche Töne waren fordergründig.
Da ich das Instrument aber life benutzen wollte, waren mir die Optionen für die Klangeinstellungen doch nicht vielfältig genug.
Gerade Titel, die einen gewissen transparenten Attacke-Sound benötigten waren einfach nicht machbar.
So nahm ich folgende Änderungen vor:

  • Austausch des Ibanez-Bridge-Tonabnehmers gegen einen splittbaren Humbucker von DiMarzio (4 Kabel)
  • Einbau von 3 Stk. Miniswitch für:
    1. Splitting des Bridge-Pickups
    2. Phasenumkehrung des Neck-Pickups
    3  Reihe-Parallel-Schaltung der Beiden Tonabnehmer
  • Da ich noch einen besserklingenden GIBSON 57 Classi-Pickup liegen hatte, tauschte ich den Ibanez Super 70 in der Neckpsition auch gleich aus.
  • Dann spendierte ich den Tonabnehmern wegen der Optik gleich noch die originalen Gold-Kappen

Fazit:
Nach dem Zusammenbau aller Teile, Aufziehen der Saiten und Durchführung aller Eistellarbeiten wie:

  • Halstab (Krümmung) Einstellen
  • Einstellung am Steg für optimale Saitenlage
  • Einstellung der Böckchen für die Bundreinheit

war die Gitarre nun 1 Jahr nach ihrem Erwerb fertig.
Die Gitarre ist ein wunderschönes Instrument mit hervorragenden Spieleigenschaften und enormen Sustain geworden.
Die Höhe der E-Saiten am 22. Bund beträgt gerade mal 1,4 mm ohne das die Saiten schnarren.
Die Modifikationen an der Elektrik erlauben sowohl ein perkussives wie auch ein weiches tonvolles Spielen.
Heutzutage sind diese Instrumente enorm im Preis gestiegen. Ich habe bei meinen Recherchen auf einer Internetseite in den USA  eine als "verkauft" deklarierte 2405 für 14.000 $ und in Holland sogar für 18.000 $ gesehen  Sicher spielt bei diesen Preisen der Zustand der Originalität und die Sammlerleidenschaft eine enorme Rolle.
Auch weiß ich nicht 1000%-ig, ob das Baujahr 1976  bei meiner Ibanez stimmt  - weil:
- die Gitarre keine Seriennummer aufweist 
- laut Katalog die Gitarre mit Ibanez-Laucy-Logo auf der Kopfplatte älter sein könnte,
- der Saitenhalter 3-dimensional verstellbar ist (Saitenhöhe | Saitenlänge | und Hals-Mittelachse mittels Exenterbuchsen)
Sie könnte also auch Bj.  73  Bj. 75   - ein "Custom Pre-Serial Modell" No.1 sein.
HIER der Link zur IBANEZ-Katalogseite 1975: http://www.ibanez.co.jp/anniversary/expansion.php?cat_id=4&now=1

Technische Daten:

  • Ibanez Limited Models - Artist Agent Custom No 2405
  • 41" Länge gesamt 
  • Body aus Mahagony mit Ahorndecke Sunburstlackierung in Finish "tobacco sunburst  honney"
  • Umlaufendes 7-lagiges Binding
  • aufwendige Einlegearbeiten Pearl-Inlays an Body, Kopfplatte und Griffbrett
  • Hals Ahorn mit Rosewood-Griffbrett, 22 Bünde  Medium, Mensur  24 3/4"
  • Mechaniken - Artist-Smooth-Tuner Machine Heads No. 1226G (gold plated) , Tulpenform,  Übersetzung 12:1
  • Kopfplatte Mandoline-Shaping (mit Schnecke) und Ibanez-Laucy-Inlay
  • Halstonabnehmer - GIBSON 57 Classic Pickup (gold plated)  - original war
    IBANZ Seriennummer No 2350-75, verkauft als "Super 70`Humbucking Guitar Pick-up" (gold plated)
  • Stegtonabnehmer - DiMarzio Bluesbucker® DP163 bestehend aus zwei single-coil, (gold plated)
    Spezifikation: - Wiring 4 Conductor  - Magnet Ceramic - Output mV: 224 - DC Resistance 10.07 Kohm
  • 3-fach Toggleswitch für Tonabnehmerposition Neck - Neck + Bridge - Bridge
  • 3 Miniswitch für Splittung, Phasenumkehrung und Parallel- / Reihenschaltung
  • Bridge: Nachbau Harmonic O-Matic-Bridge No. 232  mit 3-dimensioneler Einstellmöglichkeit in Chrom&Messing
  • Stoptailpice (Saitenhalter): Eigenbau 2-teilig Silberstahl verchromt
  • 2 x Poti CTS 500 kOhm Volume - 2 x Poti CTS 500 kOhm Tone
  • Regler-Knöpfe: 2 x Ton, 2 x Volume, No. 2354-TVB black, (orginal waren No. 2350-V und 2350-T montiert)
  • Pickguard Eigenbau 6mm Plexiglas direkt verschraubt

Presse:

Quelle gitarrebass.de / Ausgabe 12-2003 /  VINTAGE Ibanez Artist
Japanische Gitarren waren früher einmal sehr preiswert und ab den 70er Jahren auch noch sehr gut. Kommen diese beiden Faktoren zusammen, und stimmt das Marketing-Potenzial eines Unternehmens, dann öffnet sich für einen ursprünglich nationalen Anbieter unter Umständen der Weltmarkt.
„Ibanez" ist der Markenname der japanischen Hoshino-Company für ihre Exportprodukte. Er wurde bekannt und populär Anfang der 70er, als dieser Hersteller teils solide, teils erstklassige Kopien bekannter amerikanischer Instrumente produzierte und nach Europa und in die USA exportierte. Und selbst die besseren Ibanez-Replica von Gibson-, Fender- und Rickenbacker-Instrumenten kosteten weniger als die Hälfte ihrer Vorbilder, wobei sie diesen qualitativ aber zumindest sehr nahe kamen. Vor allem die konstante Qualität der japanischen Produkte trug mit dazu bei, dass Ibanez-Gitarren (wie damals auch Aria-Produkte) immer populärer wurden – und das weltweit. Den guten Namen erarbeitete sich diese Marke also vorrangig mit Kopien von Stratocaster, Les Paul, SG, Telecaster, diversen ES-Modellen und den heute sehr gesuchten Flying-V-, Byrdland- und L5-Clones, für die mittlerweile Höchstpreise gezahlt werden. Mit der Kopiererei war aber dann bald Schluss, nachdem die amerikanischen Vorbild-Firmen Ibanez und andere Hersteller mit Klagen überzogen, und Hoshino es vorzog, sich im Guten mit den Klägern zu einigen.
Um 1976 tauchten dann auch eigene Ibanez-Modelle für den internationalen Markt auf. Es begann mit den an die Gibson-Les-Paul/SG-Mischung der Yamaha SG2000 erinnernden Solidbodies 2617, 2618 und 2619, die ab 1977 den Grundstock der neuen „Ibanez Artist Series" bildeten. Zu der gehörte auch die Ibanez Artist 2630, eine Semiacoustic, die Karriere machen sollte ...

Bilder:

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